Holly Golightly

#127
Kupang/Indonesien

Kupang

  • Reisegeschichten
Indonesien! – here we are
Die Anreise der Offiziellen
Motornummer gesucht

Nicht lange nachdem es sich der Anker im sandigen Untergrund gemütlich gemacht hat, kommen die Offiziellen der Biosecurity und der Custom an Bord. Alle sind mal wieder sehr, sehr freundlich und das Ganze macht richtig Spaß. Es wird viel gelacht und am allerwichtigsten ist es scheinbar, viele Selfies zu machen. „Posing“ ist also angesagt. Egal, ob bei der Kontrolle eines Fachs oder der Motornummer, ein Foto muss her!

Gaaaanz wichtig! Das Selfie
Und auch der Zoll möchte eins :-)

Was es heißt mitgerissen zu werden, erfährt der Holly-Skipper direkt am ersten Tag. Es heißt nämlich mal wieder einklarieren. Unser Agent wartet am Ufer und ehe sich Franz versieht, sitzt er hinten auf einem Motorroller und fühlt sich plötzlich wie in einem Action Video Spiel: Im High-Speed-Modus flitzen wir über die Piste – ein Hindernis nach dem anderen erscheint vor uns: abenteuerliche LKWs, Fußgänger die queren, Schlaglöcher, plötzliche Abzweigungen, Affen(!), langsame Radfahrer, zu langsame Autos, alte Pferdefuhrwerke und allerlei flüchtendes Kleinvieh werden erfolgreich umkurvt und als wir am Ziel sind, haben wir Level 1 erfolgreich gemeistert! Level 2 besteht im Einchecken bei der örtlichen Behörde und ist dank Matthew, unserem Agent ein Kinderspiel. Unsere Einreise scheint tasächlich ein freudiges Ereignis zu sein. Alle Beamten und Beamtinnen sind geradezu begeistert und ein Selfie nach dem anderen muss geschossen werden. Einige eher scheue, jüngere Mitarbeiterinnen werden extra herbeigerufen, um mit aufs Bild zu kommen. Nachdem wir auch das Immigration-Level gemeistert haben startet Level 4 in Form der Rückfahrt und vergeht im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug. Nach geglückter Landung vor der Ankerbucht fühlt sich der Skipper wie Super-Mario, der den Highscore geknackt hat.

Die Einwanderungsbehörde natürlich auch!

Nach unserer spannenden Ankunft in Kupang wird uns sehr schnell bewusst, dass wir in einer komplett anderen Welt angelandet sind. Krasser könnte der Kontrast zu den Torres-Strait Islands nicht sein. Dort Ruhe und Gemütlichkeit – hier buntes lautes Treiben. Die Uferstraße wird von einer unendlich langen, nie enden wollenden Motorroller-Schlange bewohnt. Aufgeregt schlängelt sie sich den ganzen Tag und die halbe Nacht am Ufer lang und reißt alles mit was sich in ihren Sattel traut. Zwischen tausenden von Rollern schlängeln sich zusätzlich viele bunte Trucks und Kleinbusse durch die Hauptstadt der Insel West-Timor. Am Straßenrand herrscht das geschäftige, bunte Treiben einer asiatischen (Groß)stadt. Mit etwas über 400 Tausend Einwohnern ist Kupang die größte Stadt der Insel Timor und gleichzeitig die Hauptstadt von Ost-Timor.

Auf den Straßen von Kupang

Die kommenden Tage verbringen wir mit Geld besorgen, Proviant beschaffen, Wäsche waschen (lassen) und durch die Stadt düsen – jetzt allerdings im sicheren Taxi. In einer nahen Shopping-Mall gibt’s fast alles was wir brauchen zu unglaublich niedrigen Preisen. Für uns Europäer ist Asien wirklich das Kaufkraftparadies. Schöne Hemden gibt's für 12 € , ein Essen am Straßenrand für 3 € und ein Grap-Car (wie Uber) fährt uns für 2,50 durch die halbe Stadt. Am Straßenrand reiht sich ein Mini-Laden an den anderen und gefühlt besitzt jeder Zweite hier einen kleinen Laden. Direkt am Hafen gibt es beispielsweise einen kleinen Handwerksbetrieb, der nur Türen herstellt, woanders Läden, die voller Stühle oder Schränke stehen, daneben Wäschsalons, Garküchen, Obstläden und immer wieder kleine Shops, vor denen Regale mit offensichtlich selbst abgefüllten Glasflaschen ohne Label stehen, deren Inhalt grünlich schimmert. Was das ist, erschließt sich uns nicht. Salatöl, Limo, Sirup, Zaubertrank???? Erst viel später kommen wir dahinter, dass es sich um Tankstellen handelt! Wir beobachten einen Scooterfahrer der einem Boxenstopp gleich, anhält, bezahlt, eine Flasche aufdreht, den Inhalt in den Tank des Motorrollers schüttet und direkt wieder durchstartet – ein Boxenstopp in der Formel 1 ist nicht schneller! Und wie gut, dass wir kein Salatöl brauchten …

Tankstelle für Scooter
Strand als Hafen …
… und Treibstoffverladung der besonderen Art
Öffentlicher Nahverkehr
Der Obstladen unseres Vertrauens
Der Waschsalon unseres Vertrauens - Wäsche-Besprechung mit Google-Übersetzer

Blauwassersegeln bedeutet nicht nur unendliches Beach-Feeling sondern auch sich gegenseitig zu helfen. Jacqueline, deren Motor einfach nicht mehr ins Leben zurückkehren will, ist aktuell die Hilfsbedürftige und natürlich, auch weil sie ja auf sich alleine gestellt ist, sehr gestresst. Unser Agent Matthew – der wie ein Rheinländer alles kann – ist der Meinung, dass der Motor nicht mehr auferstehen wird und empfiehlt die Transplantation eines neuen Motors. Das würde natürlich ein kleines Vermögen kosten, was Jacquelines Stimmung auf einen Tiefpunkt sinken lässt. Da Kupang nun auch nicht der ideale Ort für einen Motortausch zu sein scheint, macht Franz ihr den Vorschlag die Grinde mithilfe eines starken Außenborders wieder reisetauglich zu machen, um so zumindest estwas sicherer nach Bali zu kommen. Jacqueline findet den Plan gut und prüft unverzüglich die Umsetzbarkeit. Alles was man braucht scheint erst mal verfügbar. Leider entpuppt sich aber nach und nach das Ganze dann doch als Fata Morgana.

Aufgrund unseres sehr engen Zeitplans – wir müssen Anfang November in Malaysia sein – wollen wir im Grunde schnell weiter. Und da es mit unserem Antrieb momentan auch nicht so rund läuft (Geräusche!), ist es uns recht immer noch einen kleinen Zeitpuffer zu haben – wer weiß, was wir noch unterwegs reparieren müssen!? So entscheiden wir uns schweren Herzens nach vielen Monaten Buddy-Boating mit Jaqueline, die nächste Etappe ohne die Loveworkx zu bestreiten und lichten unseren Anker.

Selamat tinggal Kupang!

Nach den turbulenten Tagen in Kupang wartet die hoffentlich ruhige See auf uns und wir freuen uns auf andere tolle Ziele in Indonesien.

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