Holly Golightly

#72
Obaldia, Panama

Oh wie schön ist Panama

  • Reisegeschichten

Unsere „Einreise“ ins oh so schöne Panama erfolgt quasi durch die Hintertür. Nach dem gemütlichen Törn von den Islas del Rosario an der kolumbianischen Küste entlang ankern wir vor Obaldia. Dieser von Seglern eher selten frequentierte östliche Außenposten Panamas liegt direkt am „Darién Gap“, einem der gefährlichsten Dschungelgebiete der Welt. Dieses bis 2016 von den kolumbianischen Guerillatruppen ELN und FARC kontrollierte Gebiet bildet die Grenzregion zwischen den beiden Ländern und ist außerdem die einzige Unterbrechung der berühmten Panamericana zwischen Alaska und Feuerland.

Die gesamte Region ist der Hotspot des illegalen Drogenhandels zwischen Süd- und Nordamerika. Geschmuggelt wird mit allem, was fliegen, schwimmen und sogar tauchen kann – also mit Flugzeugen, Schnellbooten und sogar U-Booten.

Dank des Fehlens jeglicher Straßen ist das Gebiet zugleich ein riesiges, extrem artenreiches Naturschutzgebiet. An der Küste dieser wunderschönen Landschaft, direkt an der Grenze zu Kolumbien, liegt der kleine Grenzort Obaldia. Für alle Seefahrer, die aus Richtung Kolumbien kommen, bietet sich hier die erste Gelegenheit, nach Panama einzureisen. Trotzdem ist es recht einsam, da diese Route meist nur von Langstreckenseglern genommen wird – Charterjachten oder Wochenendsegler gibt es hier schlichtweg nicht. So sind wir auch das einzige Schiff, dass in der Bucht ankert. Leider verfügt der Ort nur über zwei hohe und sehr rustikale Betonstege, die für unser hölzernes Beiboot ein absolutes „no go“ sind. So betreten wir Panama kurz entschlossen über den nahen Kiesstrand, an dem wir mit Fred anlanden und werden unangemessen gleichgültig von zwei verträumt aus dem Fell guckenden Maultieren begrüßt.

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Statt Tiger und Ente: Das offizielle Begrüßungskomitee von Obaldia …
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… kurz vorher noch im Maultier- statt Pferdestärken-Einsatz!

Auf einem schmalen Betonpfad machen wir uns auf ins Zentrum, in dem wir einklarieren müssen. Der komplette Ort ist bis auf einen alten vergammelten Pickup autofrei und somit der Zeit weit voraus – vermutlich aber eher unfreiwillig!

Das „Zentrum“ bildet eine kleine Kreuzung inmitten der Siedlung. Hier finden wir dann auch die „Immigration“ und „Customs“, die wir nacheinander besuchen. In beiden Institutionen werden wir ausgesprochen freundlich und entspannt begrüßt. Unser Kommunikationsoffizierin Mareike kümmert sich erfolgreich um die Übermittlung aller wichtigen Fakten. So dauert es auch nur eine knappe Stunde bis gefühlt fünf bis sechs Formulare mit ca. 10 Durchschlägen 20 bis 30-mal abgeheftet und mit ca. 40 Stempeln versehen sind. Ist man weniger gut vorbereitet als unsere Einreise-Offizierin, muss man zwischendurch noch zum Copyshop, um alle Dokument zu verdreifachen. Zufällig ist der Copyshop direkt neben dem Zollbüro und der Inhaber ist identisch mit dem Beamten das Zollbüros! Immerhin kann dieser uns nach erfolgreicher Zollabwicklung gut gelaunt noch ein paar SIM-Karten für´s Smartphone verkaufen. Eine handgemalte Grafik, die uns zeigt, wie wir die SIM-Karten auf Spanisch aktivieren können gibt es gratis dazu. Diese stellt sich später als so gut heraus, dass wir eigentlich mal einen Kontakt zwischen der Deutschen Telekom und diesem panamaischen Zollbeamten herstellen sollten!

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Obaldia-Zentrum

Der Höhepunkt des Einreiseprozedere ist jedoch die Kontrolle durch das Militär. Am Rande einer kleinen Festungsanlage, in einem Mini-Bunker mit Schießscharte und Ausblick auf die Bucht, empfängt uns ein tapferes Mitglied des panamaischen Militärs im Kampfanzug und füllt natürlich ebenfalls noch ein paar Formulare aus. Dann erfahren wir, dass abschließend eine Inspektion unseres Bootes vorgenommen werden muss. Den Transport der Besichtigungsdelegation zu Holly und zurück, müssen wir tatsächlich selbst in die Hand nehmen.

So kommt es, dass wir kurze Zeit später zu viert vor unserem Beiboot Fred stehen. Mareike beschließt daraufhin spontan ihren Landaufenthalt etwas zu verlängern. Die beiden Kontrolleure – ein Zivilist und ein junger Soldat in fetten Springerstiefeln – haben vermutlich ein schnelles Schlauchboot mit PS-starkem Außenborder erwartet und schauen etwas ratlos in die Runde. Transport-Offizier Franz bitte also die beiden an Bord unseres Dinghis, drückt einem das zweite Paddel in die Hand und schon geht es los. Der junge Soldat ist in Sachen Rudern ein wenig unerfahren – die Marine scheint nicht so sein Ding zu sein. Aber trotz seiner eher avantgardistischen Paddel-Technik erreichen wir nach einem lustigen Zick-Zack-Kurs durch die Bucht sicher Holly. Der junge Kämpfer schwingt sich recht unkonventionell an Bord und durchschreitet in seinen fetten Kampfstiefeln Holly auf der Suche nach wer weiß was. Da er weder in der Frontkoje noch im Schrank noch im WC wer weiß was finden kann, schwankt er wild entschlossen durch den Salon zurück ins Cockpit. Dabei reißt er auf seine so beeindruckend unkonventionelle Art noch eben die Tischplatte aus ihren Scharnieren – ein Orkan ist nichts gegen ihn!

Die Rückfahrt in Fred darf die Militärdelegation nun alleine in Angriff nehmen. Der panamaische Zweier ohne Steuermann hat anfangs leichte Schwierigkeiten den Kurs zu halten. Nachdem das Team aber beschlossen hat, halbwegs synchron und sogar in die gleiche Richtung zu Paddeln, geht’s gleich viel besser. Nach einem gemütlichen Schlingerkurs mit ein paar Beinahe-Wenden ist das rettende Ufer schon bald erreicht. Team Deutschland mit Mareike als Solopaddlerin braucht für dieselbe Distanz übrigens nur ungefähr die halbe Zeit.

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Drei Mann in einem Boot
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Zweier ohne Steuermann auf dem Rückweg
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Das etwas andere Büro mit Aussicht
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Erleben, was verbindet!

Nachdem wir nun offiziell eingereist sind, erledigen wir noch einen kleinen Einkauf im Ort und lichten dann den Anker, um in eine kleine, nahe gelegene Bucht zu wechseln. Panama wir kommen!

Was wir noch nicht ahnen: die vor uns liegenden Wochen werden die schönsten und beeindruckendsten unserer bisherigen Reise sein!

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Easy!! – Anleitung zur Aufladung der Handy-Sim-Card
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Alles verfügbar – das Sortiment das lokalen Supermarktes
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Ein "Handelsschiff" aus Kolumbien bringt was man so braucht
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Pickup mangels Straße günstig abzugeben!
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