Erster Sevusevu und ein Kindergarten
Die Flottille beschließt also am nächsten Tag weiterzuziehen in die Nalauwaki Bay im Norden der Insel Waya. Diese gehört bereits zu den Yasawas, einer Inselgruppe im westlichen Teil von Fidschi. Sie liegt nordwestlich der bekannten Hauptinsel Viti Levu und erstreckt sich in einer Kette von etwa 20 größeren und kleineren Inseln über rund 80 Kilometer. Also ideal für einen zwei bis dreiwöchigen Tripp bevor wir weiter nach Vanuatu segeln wollen.
Drei Anker werden hochgeholt und los geht’s - grandiose 15 Meilen müssen zurück gelegt werden – es ist so schön, mal nur kurze Strecken zu segeln!
Die Nalauwaki Bay ist groß und hat freundlicherweise nicht allzu viele Riffe, so dass es leicht ist, ein schönes Plätzchen zu finden. Wir kommen mittags an, bestaunen die Kulisse und all die Korallen, die beim aktuellen Niedrigwasser vor dem Strand zum Vorschein kommen.
In den Yasawas ist es üblich, dass man an Land geht, um beim Chief des Dorfes um Erlaubnis zu bitten, dass man – sozusagen im Vorgarten des Dorfes – ankern darf. Sevusevu nennt sich dieses Ritual.
Als Gastgeschenk bringt man Kava mit, den wir vorher in Bündeln auf dem Markt in Lautoka gekauft haben.
Die Kleiderordnung erwartet, dass Frauen in den Dörfern Schultern und Knie bedeckt haben - also anständig anziehen und auf die richtige Tide warten.
Am frühen Nachmittag ist das Wasser so weit gestiegen, dass wir uns an Land trauen. Die Bucht ist ruhig, so entscheiden wir uns Freds Mercury bei Holly zu lassen und ganz umweltfreundlich dem Strand entgegen zu rudern. Dabei orientieren wir uns an ein paar Bojen, hinter denen die lokalen Boote am Strand liegen. Tatsächlich finden wir so einen kleinen, aber immer noch recht flachen Channel zwischen den Korallen und freuen uns über den geringen Tiefgang ohne Außenbordmotor.
Am Strand steht unterdessen schon ein junger Mann, der uns winkend weiter in die richtige Richtung lotst. Kaum angekommen, werden wir von Ben und seinen Freunden begrüßt, die uns netterweise auch sofort helfen, Fred an Land zu schleppen.
Sue aus Bermuda - die wir bereits in Panama kennengelernt haben - und Chuck aus Kanada von der „Katie G“ sind auch mit von der Partie und nachdem Verena, Tim und Jaqueline ebenfalls sicher gelandet sind, werden wir von Ben zum Chief geführt. Wir haben Glück! Heute wird eine kleine Gäste-Gruppe aus dem Octopus-Resort, welches an der West-Küste Wayas liegt, erwartet. Aus diesem Grund gibt es auf der Terrasse des – sagen wir mal – Dorfgemeinschaftshauses eine Kava-Zeremonie zur Begrüßung von allen.
Die Kokosnuss-Schale, aus der alle nacheinander trinken, wird herumgereicht. Wer an der Reihe ist klatscht in die Hände, bevor die Schale übergeben wird und ruft „Bula!“. Dann wird brav alles auf ex getrunken - nicht so ganz leicht bei einem sandig-trüben, ein wenig nach Tee schmeckendem Gesöff … Hat man ausgetrunken, klatschen alle dreimal in die Hände und rufen gemeinsam „Bula!“. Langsam aber sicher fühlen sich alle Zungen leicht betäubt an und die Gruppendynamik wird gelöster :-)
So in Stimmung gebracht, fordert der Chief uns auf, uns gegenseitig zu begrüßen! Alle Anwesenden – Locals inklusive – sagen ihren Namen und ihr Heimatland, woraufhin alle im Chor rufen: „Nice to meet you Franz!“ … und so fort.
Namen sind wichtig in Fidschi, sobald man sich begrüßt hat, stellt man sich vor. Es ist berührend, dies gefühlt an jeder Ecke zu erleben. Es schafft ein promptes Interesse am Gegenüber und eine Nähe, für die wir anderswo auf der Welt so viel mehr Zeit benötigen.
Der nächste Programmpunkt findet im inneren des Hauses statt. Es wird lautstark, mit viel Energie und Freude gesungen und getanzt und am Schluss werden wir alle eingereiht.
Ben, der uns am Strand begrüßt hat, trägt unterdessen einen langen Bastrock und fordert Mareike zum Tänzchen auf. Wer könnte da widerstehen?
Zum Abschluss der Veranstaltung breiten etliche Frauen Tücher auf dem Boden aus und bieten Schmuck, Stoff und allerlei anderes Selbstgebasteltes zum Verkauf an.
Nachdem wir froh und leicht verschwitzt wieder draußen angekommen sind, bietet Ben uns einen Rundgang durch’s Dorf an, da können wir natürlich nicht nein sagen.
Als wir am Ende des Rundgangs beim Kindergarten ankommen, schlägt Mareikes Herz hoch! Wir dürfen eintreten und zwischen Mareike und der anwesenden Kollegin entsteht ein lebhaftes Gespräch über die Arbeit mit jungen Kindern.
Hier werden die vier- bis fünfjährigen bereits unterrichtet, analog zum britischen Curriculum. Der Tag ist nahezu komplett durchstrukturiert, mit deutlich weniger Freiraum als in deutschen Kindergärten. Ab und zu haben aber auch hier die Kinder etwas mehr Freiheitsdrang und klettern unerlaubt durch die Fenster nach draußen … dann werden ganz pragmatisch die Fensterläden geschlossen!
Beseelt von diesem Nachmittag geht es wieder zurück auf die Boote. Was für ein toller Tag und was ein Geschenk, dass wir all das erleben dürfen!
Bula Vinaka!