12 lange Tage von Vanuatu nach Australien
Tag 1 - Montag, 21. August
Alles hat mal ein Ende – so rudern wir am Morgen des 21. August schweren Herzens ein letztes Mal zum Ausklarieren an Land. Zwischen 8:30 und 9:00 Uhr sollen wir im provisorischen Customs-Büro sein, die Offiziellen der Immigration wollen dann ebenfalls dort sein. Am Dinghy-Dock treffen wir ein anderes deutsches Paar, das gerade angekommen ist und einklarieren möchte. Kurz darauf laufen wir den Mitarbeiter:innen von Customs und Biosecurity über den Weg. Die hüpfen aber leider direkt in das Dinghy der Neuankömmlinge, um deren Boot zu inspizieren – wir mögen uns doch einfach ein bisschen ins Café setzen und warten, im Büro sei jetzt eh niemand. So sitzt die typisch-deutsch-pünktliche Holly-Crew also brav am Dock im Lokal und wartet. Nach „nur“ 45 Minuten kommt Bewegung in die Sache. Genauer gesagt kommt das Dinghy der anderen Crew samt Offiziellen zurück – allerdings trügt der Schein … die Dame vom Zoll und der Herr von der Biosecurity werden zum nächsten ankommenden Segelboot gebracht. Es heißt also: weiter warten …
So geht die Zeit dahin. Nach etwa eineinhalb Stunden entscheidet Mareike, nun doch einmal im Büro nachzusehen, vielleicht ist ja inzwischen ein anderer Mitarbeiter dort? Und siehe da: Ein freundlicher Herr der Immigration und ein anderer Zollbeamter freuen sich, Mareike zu sehen, sie hätten schon gewartet! Tja, was soll man da sagen? Island Time. :-) So klarieren wir bei den netten Herren aus, rudern zurück zu Holly und machen uns startklar. Wir verlassen ein ganz klein wenig betrübt, die Bucht von Port Vila. Auf den Inseln von Vanuatu hätte es noch so viel zu entdecken gegeben. Aber wir möchten auch weiterkommen Richtung Westen – Kappeln ruft! Der Abend und die Nacht bringen Regen. Es schüttet aus Kübeln und wir stellen etwas unglücklich fest, dass die vordere Luke trotz neuer Dichtung leider überhaupt nicht dicht ist. Könnte eine Passage schöner beginnen, als mit einer nassen Matratze? Wie gut, dass wir die Kojen im Salon vorbereitet haben. Die Wolken, der Regen und Neumond sorgen für das dunkelste Dunkel – Australien, wir kommen.
Tag 2 - Dienstag, 22. August
Wir haben auf den verschiedenen Passagen die unterschiedlichsten Rhythmen für die nächtliche Wache ausprobiert. Zwischen 20:00 und 8:00 Uhr morgens Wechsel im Dreistunden-Takt – schön, weil man gefühlt schnell abgelöst wird, aber schwierig wenn man nur zweimal knapp drei Stunden Ruhe hat. Alle sechs Stunden abwechseln war nett, weil man zu mehr Schlaf am Stück kommt, allerdings waren uns beiden die Wachen dann viel zu lang und dadurch sehr anstrengend. Zu dritt war es natürlich am tollsten – ein Wechsel alle vier Stunden und insgesamt acht Stunden Schlaf! Aber wir sind nun mal wieder zu zweit, hilft ja nix. Auf dieser Passage probieren wir daher wieder etwas Neues aus: Nachtwachen zwischen 19:00 und 9:00 Uhr unterteilt in 4 – 3 – 3 – 4 Stunden. Mareike darf am Anfang vier Stunden schlafen, der Skipper am Morgen. Das passt am besten zu unserem Schlaf-Rhythmus. Mareike geht gerne früh ins Bett, Franz ist eher die Eule, schläft dafür aber gerne aus, während Mareike Kaffee und Sonnenaufgänge im Cockpit genießt. Die fiese Mitte der Nacht, in der eigentlich niemand wach sein möchte, teilen wir uns mit aushaltbaren drei Stunden. So sollte jeder von uns des Nächtens sieben Stunden Ruhe-Zeit haben. Mal gucken, wie die Praxis wird ...
Unser zweiter Tag auf See beginnt ruhig und gemütlich. Wie vorhergesagt lässt der Wind mehr und mehr nach, so dass wir schließlich leider motoren müssen. Vor lauter Freude über so feine Bedingungen setzt Mareike einen Brotteig an. Vielleicht oder ehrlich gesagt ziemlich sicher war das etwas optimistisch ... der Wind kommt zurück, die Wellen laufen kreuz und quer. Mareike wird schlecht und bei so viel Gerumpel hat auch niemand Lust, einen Brotbackvorgang auf dem wild schwankenden Herd unter Kontrolle zu behalten.
Wie gut, dass Mareike in Port Vila ein Essen vorgekocht hatte. So bleibt die Küche kalt und wir futtern das Curry einfach so.
Tag 3 - Mittwoch, 23. August
Die Stimmung ist mäßig. Mareike geht es noch bescheiden – obwohl sich die Wellen inzwischen etwas beruhigt haben. Der Brotteig ist seekrank geworden und wandert über Bord. Die Diskussion darüber, was wir hier eigentlich machen, wird auf bessere Zeiten verschoben, was für den Fortgang der Reise gut ist. Ein Tag, der einfach so verstreicht.
Tag 4 - Donnerstag, 24. August
Mareike geht es wieder besser, juchu! Nur noch Kopfschmerzen, aber die werden auch verschwinden, da ist sie sicher. Da der Kurs immer mehr Downwind wird, entscheidet Franz, das Groß runter zu nehmen und die Genua auszubaumen. Das Manöver erinnert zwischendurch an Makramee. Manchmal funktioniert einfach nix wie es soll … aber schließlich ist alles da wo es hingehört. Anschließend sitzt der Skipper schlecht gelaunt im Cockpit. Wie konnte das Manöver nur so schief gehen, obwohl schon hundertmal gemacht? Zur Beruhigung gibt es Rührei zum Frühstück. Später Nudelsalat mit lecker Hühnchen in Mayo aus der Dose. Wir haben durchaus noch frisches Gemüse, aber die Lust das klein zu schnippeln ist unterwegs oft nicht so groß wie vorher erhofft … also halten wir’s einfach. Zum krönenden Abschluss des Tages gibt es eine Dusche im Cockpit, die Besatzung fühlt sich wie neu und gewappnet für die Nacht.
Tag 5 - Freitag der 25. August …
... ist ein toller Segeltag! Champagne Sailing pur! Es gibt Pfannkuchen und Obstsalat zum Frühstück, ein Fest! Wir verbringen viel Zeit gemeinsam im Cockpit, reden. Keiner von uns beiden kann tagsüber wirklich schlafen. Nicht schlimm, denken wir, wir schlafen ja jetzt nachts so gut! Aber wie das so ist – man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Später nimmt der Wind nämlich wieder zu und damit werden die Wellen höher, gar nicht schlimm hoch, aber der Kurs wird rumpeliger.
Tag 6 - Samstag, 26. August
So kommt es wie es kommen muss: Die Nacht bringt wenig Schlaf. Es ist mal wieder schwierig, sich stabil in der Koje zu „verkeilen”. Wir rutschen und rollen ungewollt hin und her. Mareike behauptet nachts, sie hätte Urlaub eingereicht, der Skipper erwidert, der Antrag sei noch nicht bearbeitet. So begegnen sich müde Augen beim Wachwechsel. Die Sonne bringt wie immer die Lebensgeister zurück. Nach dem Frühstück und kurzer Pause für Mareike muss der Spinnaker-Baum auf die andere Seite. Wir wollen unseren Kurs mehr nach Norden ändern, um ein bisschen besser um ein großes Windloch herumzukommen. Der neue Kurs lässt die Wellen mehr von hinten kommen und damit wird das Bordleben gleich viel netter. Zeit für Pilz-Risotto und Mittagspause für den Skipper.
Inzwischen sind wir endgültig im Passage-Modus angekommen. Es braucht einfach immer wieder und aufs Neue Zeit, sich an 24/7 Segeln zu gewöhnen – vielleicht sogar etwas länger als zu Beginn unserer Reise? Wir verbringen einen ruhigen Tag mit lesen, Hörbücher hören, Wetter runterladen und Smalltalk mit Jacqueline über Funk (die mit ihrer Loveworkx einige Seemeilen von uns entfernt segelt). Zusammen phantasieren wir über den ersten Cocktail und Pizza in Cairns. Es ist immer wieder schön, auf dem weiten Ozean ein Boot in der Nähe zu haben – eines mit einer Freundin, noch viel toller!
Tag 7 - Sonntag, 27. August
Die Hälfte der Strecke ist geschafft – Bergfest! Heute Nacht hat der Wind immer mehr nachgelassen, nun sind wir sehr langsam. Es ist so eine ruhige und friedliche Stimmung. Das Segel schlägt ein wenig, weil der Wind fehlt. Wir spüren eine große Verbundenheit mit der Natur. Indem wir ihr, all unsere Pläne und unser Vorankommen anpassen, akzeptieren müssen, dass nicht wir bestimmen, wie schnell wir sind, sondern mit den Gegebenheiten leben müssen. Das ist – bei aller Riesen-Anstrengung – eine unglaublich gute Erfahrung und wir sind sehr glücklich, sie machen zu dürfen.
Um 9 Uhr kriecht Franz aus der Koje. Wir gucken uns an und entscheiden: Motor an, so kommen wir gar nicht mehr voran und eiern nur herum. Nach dem Frühstück bearbeitet Mareike einen Kürbis, der seit Fiji mitfährt. Solche Tätigkeiten sind bei mehr Wind und Welle eher schwierig. Außerdem backen wir nun endlich doch ein Brot.
Am Nachmittag entdeckt Mareike während ihrer Wache plötzlich ein großes Schiff an Backbord, welches ziemlich dicht hinter uns durchgehen wird. Was sie irritiert ist die Tatsache, dass überhaupt kein AIS-Signal auf unserem iPad zu sehen ist. Franz wird geweckt.
Mareike funkt das unbekannte Schiff an. „Holly Golightly“ antwortet der Diensthabende fröhlich und meldet sich selbst als angeblicher Tanker mit kryptischen Buchstaben-Kombination als Name. Auf Nachfrage bestätigt er uns, dass er Hollys AIS-Signal sehr deutlich sieht und wünscht uns „Safe Sailing“. Vermutlich handelt es sich um ein Marine-Schiff in geheimer Mission :-)
Abends noch ein richtiger Tanker, ansonsten bleibt es ruhig – bis auf unseren brummenden Diesel.
Tag 8 - Montag der 28. August …
… beginnt für Mareike damit, dass sie vor lauter Motorgeräuschen (sie schläft im Salon und damit ungefähr einen Meter neben dem treuen Volvo …) den Wecker um 5 nicht hört. Um 6 wacht sie schließlich auf. Franz war fit genug und hat ihr eine Stunde Schlaf geschenkt! Wunderbar!
Es ist noch dunkel, der Wind nimmt schon wieder zu. Blöderschönerweise kommt er nun aus Süd-Ost, unser Spi-Baum ist aber noch auf der Backbordseite. Er muss also umgebaut werden oder ganz weg. Franz ist müde, wir verabreden, dass er erstmal eine Stunde schläft. Gegen acht ist definitiv genug Segelwind, also wird der arme Skipper schon wieder aus der Koje geschmissen. Der Spibaum kommt weg, das Großsegel hoch, Halbwindkurs und Pfannkuchen zum Frühstück, müder Franz wieder ins Bett.
Nach zwei Stunden sieht Mareike, dass der Schäkel, der die Genua an der Rollanlage befestigt, abgegangen ist. Nicht gut. Da wir die Verabredung haben, dass nie einer von uns aufs Vorschiff geht, ohne dass der andere wach ist wird der arme Franz wieder aus der Koje geschmissen. Nach kurzer Reparatur kriecht er genau dorthin zurück.
Der Wind nimmt zu, wir sind schnell. Nach stundenlangem Champagne-Sailing gibt es auch mehr Welle, es wird mal wieder rumpelig. Die Crew freut sich über Reste-Essen von gestern, die Küche bleibt kalt.
Tölpel-Alarm im Cockpit
Tag 9 - Dienstag, 29. August
Die Nacht bleibt sportlich, schlafen schwierig. Mareike ist um 5 Uhr morgens schlecht gelaunt, wünscht sich aufs blaue Sofa nach Hause, vermisst ein Bett, das nicht wackelt und fragt sich (lautstark) warum sie sich auf so einen Quatsch hier eingelassen hat … wann kommen wir endlich an? Es ist wie immer: das letzte Stück zum Ziel zieht sich wie Kaugummi :-(
Gegen 7 Uhr macht Mareike sich Kaffee. Heute geht nur eins nach dem anderen: erst die Milch warm, dann die Bialetti auf den Herd, der verzweifelt versucht mit den Schiffsbewegungen mitzuhalten. Tasse, Kaffeemühle, Kaffee und Milchschäumer werden aus dem Schrank geholt. Man muss aufpassen, dass bei dem Manöver nicht der komplette Inhalt aus den Schränken fliegt – so viel Lage schieben wir.
Kaum ist der Kaffee fertig, entdeckt Mareike eine größere Fähre, die unseren Kurs mit etwa 1,4 Seemeilen Abstand kreuzen wird. Kein Wohlfühlabstand für sie – wenn sie jetzt schon wüsste, was diesbezüglich noch auf uns zukommt, würde sie die 1,4 Meilen feiern. Aber alles zu seiner Zeit.
Im Laufe des Tages lässt der Wind immer mehr nach. Die Wellen beruhigen sich und aufregen kann man sich nun nur noch über das Buchstaben-Pech beim Scrabble.
Nachts geht es zwischen zwei Atollen durch und die See wird noch ruhiger. Dazu sehen wir Sternschnuppen ohne Ende.
Tag 10 - Mittwoch, 30. August
Nachts schläft nicht nur die halbe Crew, sondern auch der Wind. So muss Herr Volvo ab halb drei wieder ran.
Der Morgen beginnt mit Delfinen – mit vielen Delfinen! Sie haben immer wieder das „Talent“, uns alles vergessen zu lassen was schwierig, nervig, blöd oder irgendwie rumpelig war. Sehen wir Delfine, gibt es nichts Schöneres, als auf See zu sein! Als Topping für so viel Glück hört Mareike nach dem Frühstück auch noch pfeifende Geräusche unter Deck und ist sich – nachdem sie kurz an einen elektronischen Defekt gedacht hat – sicher, dass die Delfine zurück sind. Aber diesmal sind es ihre großen Brüder, die Grindwale! Eine große Gruppe begleitet uns, ebenfalls, und man kann trotz des Motorengeräuschs sowohl unter als auch an Deck ihrer pfeifenden Unterhaltung lauschen. Ach, wüssten wir doch nur, was sie sich so zu erzählen haben!
Wenn alles so weiter läuft, kommen wir in zwei Tagen an und langsam aber sicher freuen wir uns doll auf Australien! Also wird nochmal ordentlich aufgeräumt und die Pantry geputzt, bevor die Biosecurity in Australien Holly ganz genau unter die Lupe nimmt. An diesem Tag bebt in Russland die Erde! Wir bekommen zig Mails von der Tsunami-Warnstelle in Honolulu. Wir sind mitten auf dem Meer und damit sicher, aber auf den Marquesas werden Segler aufgefordert, die Ankerbuchten zu verlassen. Auf Tahiti gehen Crews, die mit ihren Schiffen im Hafen liegen, sicherheitshalber von Bord und wir denken an unsere Freunde Brynn und Ben, die aktuell in Alaska sind. Auch dort soll der Tsunami ankommen. Am Ende wird die Welle bei weitem nicht so hoch wie anfänglich vorhergesagt – was für ein Glück, ganz besonders für all die unzähligen Inseln im Pazifik, die sich nur wenige Meter über den Meeresspiegel erheben.
Tag 11 - Donnerstag, 31. August
Der letzte volle Tag auf See, morgen kommen wir an!!! Nun sind es nicht mehr viele Meilen. „Leider“ sind es so wenige, dass wir ein wenig bremsen müssen, um nicht zu früh zu sein. Und so begeben wir uns in Schleichfahrt. Das zerrt am Ende immer an den Nerven. Unterwegs will man gerne so gut es geht Tempo machen und dann hat man gute Bedingungen und Holly darf nicht, wie sie könnte.
Die letzten Lebensmittel, die wir nicht nach Australien einführen dürfen, werden Neptun gespendet und wir kreuzen eine zweispurige „Verkehrsstraße” vor Australiens Küste.
Die letzte Nacht auf See ist dunkel und schwärzer als Schwarz. Man kann kaum den Horizont ausmachen, kein Unterschied zwischen Meer und Himmel ist zu sehen. Und so kommt es, dass man manchmal denkt, in der Ferne ein Schiff zu sehen, was sich dann aber in Wirklichkeit als ein aufgehender Stern entpuppt.
Tag 12 - Freitag, 1. September - Durchs Great Barrier Reef und Ankunft in Cairns!
Das Beste wie immer zum Schluss! Da die Überfahrt bis zum jetzigen Zeitpunkt recht problemlos verlief, hat sich Neptun noch einen kleinen Aufreger aufgehoben! Und der geht so: Es war einmal eine Wettervorhersage, die schon vor zehn (!) Tagen sehr viel Wind vor der Australischen Küste prophezeite. Nun weiß man als Segler, dass jede Vorhersage, die länger als drei Tage in die Zukunft schaut, oft nur reine Spekulation ist. Aber Ausnahmen bestätigen … und so kommt es tatsächlich genau wie vorhergesagt: Der Wind dreht langsam von „raumem Wind“ (schräg von hinten) auf „am Wind“ (schräg von vorn) und wird stärker und stärker.
Bevor wir es uns in Cairns so richtig gemütlich machen können, müssen wir außerdem noch durch eine Riffpassage des berühmten Great-Barrier-Reefs. Im Stockdunkeln und bei drehendem Wind ein echter Genuss! Ein fleißiger Leuchtturm zeigt uns den Weg, und wir kämpfen uns vorsichtshalber an der Luvseite des Passes Richtung Cairns. Anfangs passt unsere ausgebaumte Genua ganz gut zum Wind – später wird der Wind immer „halber“ (seitlicher), und wir nehmen notgedrungen unseren Volvo zur Hilfe, um in dem Pass nicht noch die Besegelung wechseln zu müssen. Da wir unserem alten Schweden-Volvo immer noch nicht so richtig über den Weg trauen, hat Franz einen „Point of Return“ im Kopf: Geht bis dahin was schief, können wir wenden und mit achterlichem Wind wieder auf den weiten Ozean zurück segeln. Nach diesem imaginären Punkt könnten wir hoch am Wind bis Cairns segeln – so die Theorie!
Als wir mitten im Pass sind, erreicht uns von Jacqueline, die ein paar Seemeilen hinter uns ihr Glück versucht, der Funkspruch dass ihr Motor ausgefallen ist und sie umdrehen muss. Und dann geschieht das Unglaubliche: Nur eine knappe Stunde später solidarisiert sich unser kleiner Diesel mit dem von Jacqueline und stellt ebenfalls den Dienst ein – das kann doch nicht wahr sein!!! Wir sind wirklich geschockt! Da wir über den „Wendepunkt“ hinaus sind, ändern wir die Besegelung und versuchen unser Glück hoch am Wind mit einem Kurs quer durch den Pass – Gott sei Dank haben wir keinen Gegenverkehr. Nach 30 Minuten versuchen wir, den Volvo wieder zu starten – und siehe da, er läuft wieder! So erreichen wir am Morgen die lange Einfahrt nach Cairns, was unser Motor mit der simplen Mitteilung „Overheating!” kommentiert – also wieder aus die Maus! Da wir ohne Motor nicht in den Hafen können und dürfen, schmeißen wir den Anker und funken die Australische Küstenwache an.
Die sind überaus hilfsbereit, nett und zuverlässig. Nur knapp eine Stunde später kommen sie mit einem Motorboot längsseits und nehmen uns an den Haken. Eine Stunde später sind wir im Hafen und damit in Australien – wir haben es geschafft!!! Die Freude darüber mischt sich leider mit dem Ärger über den erneuten Motorstress. Und unsere Freundin Jacqueline kreuzt derweil immer noch draußen rum, was uns wirklich Sorgen macht. Anmerkung der Redaktion: :-) Einen Tag später ist auch sie im Ziel!
Im Schlepptau zu Cairns wir fahren, fallera,
Es plätschern die Wellen, die Höh'n, fallera.
Wir folgen ohne Sorgen
Singend in den Morgen
Noch eh in Australien die Hähne krähn.